Donnerstag, 5. Februar 2015

Genderaspekte bei Diabetes?

Diabetes mellitus Typ 2 wird die Gesundheitspolitik und die große Koalition in diesem Jahr beschäftigen und vermutlich nicht nur in diesem Jahr. Die Zahlen der aktuellen Erkrankungen und der neu hinzukommenden zeugen von epidemischem Ausmaß: von z.Z. 6.000.000 an Diabetes Erkrankten, leiden ca. 5.700.000 am Typ 2 Diabetes, also rund 7 Prozent der Gesamtbevölkerung Deutschlands. Tendenz steigend, bei jährlich 270.000 und täglich 750 Neuerkrankungen. Mit einem "Nationalen Diabetesplan" will man sich nun der Entwicklung entgegenstemmen.
Aufklärung und Schulungen sollen bei den Patientinnen und Patienten ansetzen. Prävention, Grundlagenforschung und Datenbanken sind die gefragten Mittel. Hier wäre ein geschlechtsspezifischer(er) Ansatz wünschenswert, um möglichst gezielt auf die Betreffenden einzugehen und damit die Behandlung – besser noch die präventiven Maßnahmen – möglicherweise effizienter zu gestalten. Noch sind die Formulierungen etwas allgemein.
Eine stärkere Berücksichtigung der biologischen Aspekte und des sozialen Umfelds könnte für Verbesserungen bei Diagnose und Behandlung der Krankheit führen. Beispiel: Ein niedriger Testosteronspiegel kann bei übergewichtigen Männern für eine Insulinresistenz sorgen; ein erhöhter Androgenspiegel dagegen bei Frauen zu einem erhöhten Diabetesrisiko führen. Die Gefahr an einem Schlaganfall zu versterben, ist bei Diabetikerinnen um das 3 bis 7 fache höher als bei ihren männlichen Leidensgenossen. Das komplexe Wechselspiel zwischen Hormonen und blutzuchersenkenden Medikamenten wird an der Universtität Wien derzeit noch erforscht.
Diabetikerinnen erfahren ihre Diagnose häufig erst nach der Menopause, also deutlich später als Diabetiker. In der Folge fühlen sich diese Frauen oft allein gelassen und können zudem an einer Depression erkranken. Der bewusste Umgang mit der Krankheit fordert viel von den Betroffenen – und hier spielt der psychosoziale Hintergrund durchaus eine Rolle; denn um eine Lebensumstellung umzusetzen, braucht es Aufklärung und eine nicht geringe Kompetenz die Informationen in den Alltag zu integrieren. Erkrankten Frauen fehlt häufig ein Berufsabschluss, während Männer größtenteils über eine qualifizierte Berufsausbildung verfügen. Frauen  arbeiten – wie sonst auch – meist in Teilzeit, versorgen Familie, Haushalt und ggf. zu pflegende Angehörige. Doppelbelastung und überwiegend traditionelle Lebensumstände machen eine Ernährugsumstellung nicht leicht und lassen die empfohlene sportliche Betätigung in den Hintergrund treten. Männer gilt es dagegen für präventive Maßnahmen zu gewinnen und das ist – nicht nur im Bereich Diabetes – eine eigene Herausforderung.

Der vermeintlich weiche Faktor "Kommunikation" scheint für eine erfolgreiche Behandlung der Volkskrankheit nicht unerheblich. Eine bereits 2008 in Kanada durchgeführte Untersuchung zeigt, dass auch das Geschlecht der behandelnden Ärzte Einfluss auf den Behandlungserfolg haben. Hier waren Ärztinnen insgesamt erfolgreicher. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/18397244)

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