Dienstag, 11. Oktober 2016

Editorial Kongress-Brief Gender-Gesundheit (September 2016)


Lohngleichheit...ein Traum wird wahr?? Manuela Schwesig (SPD) wäre ein epochaler Coup gelungen, wenn "ihr" Gesetz verabschiedet würde und für mehr Transparenz und eben für mehr Gleichheit bei der Bezahlung von Männern und Frauen sorgen könnte. Gegner des Beschlusses, überwiegend VertretER aus CDU und Wirtschaft, fürchten Bürokratie und zusätzliche Kosten. Ja, natürlich könnte es es ersteinmal teuerer werden. Das ist fast zwangsläufig so, wenn für gleiche Arbeit gleicher Lohn bezahlt wird – und es vorher nicht so war. Würden Frauen weniger Teilzeitarbeitsverhältnisse eingehen, wären sie auch beim Gehalt besser gestellt, lautet ein beliebtes Argument der Gegner. Frauen würden sich für die weniger lukrativen Berufe oder Spezialisierungen entscheiden, lautet die zweite Begründung und "Legitimation", um beim Status quo zu verharren und die "Schuld" gleich bei den Frauen zu lassen. Berufe in denen mehr Frauen als Männer arbeiten, z.B. in nichtärzlichen Gesundheitsberufen sind ja nicht wirklich überflüssig und Personal wird v.a. in der Pflege dringend gebraucht. Würden also diese Berufe mehr gesellschaftliche und finanzielle Anerkennung erfahren, würde bei manchem Paar die Entscheidung, wer nun aufgrund des Verdienstes besser zuhause bleibt nicht so klar getroffen werden können. Die jungen Väter, die ihre Elternzeit wahrnehmen, lassen einen allmählichen Bewusstseinswandel erkennen, der künftig auch die Arbeitsverhältnisse bei Männern beeinflussen wird; aber mit rund 35 Prozent, die ihre Kinder für kurze Zeit vollzeit betreuen, bleibt der Löwenanteil immer noch den Frauen überlassen. Alternative: einfach keine Kinder bekommen? Eine für Volkswirtschaften und dann irgendwann auch für Unternehmen riskante Entscheidung, die in der Vergangenheit von Frauen getroffen wurde bzw. werden musste, die noch über weit weniger Möglichkeiten von Betreuung und Vereinbarkeit verfügten. Die Konsequenzen des demografischen Wandels werden jeden Herbst zunehmend spürbar, wenn Betriebe händeringend nach Auszubildenden suchen.
Selbst wenn die Qualifikation "stimmt" und selbst, wenn die Betreffenden kinderlos sind, bleibt der Gehaltsunterschied und die attraktiveren Posten bleiben in männlicher Hand. Das ist bei Ärztinnen so, wie die jüngst veröffentlichte Dokumentation des Deutschen Ärztinnenbundes (DÄB) zeigt, und das ist ganz allgemein in der Wissenschaft so, wie aus dem aktuellen Bericht "Chanchengleichheit in Wissenschaft und Forschung" hervorgeht. Rollenstereotype scheinen in Deutschland über besondere Beharrungskräfte zu verfügen; denn der Blick über die Grenze zeigt, dass es anscheinend auch anders geht, ohne, dass Wissenschaft und Wirtschaft zum Erliegen kommen. Während die weiblich besetzten C3/W2-Professuren bei 23,4 Prozent liegen bzw. bei 18 Prozent bei C4/W3-Professuren, wurden in Luxemburg, Finnland und Schweden bereits 2013 zwischen 38 und 50 Prozent aller Forschungseinrichtungen von Frauen geleitet. Ob dort eine W3-Professorin auch 37 Prozent weniger verdient als ihr männlicher Kollege wie in Niedersachen, bleibt zu fragen.

Allerdings; auch die KritikerINnen, denen Schwesigs Entwurf (noch) nicht weit genug geht, werden (schmerzlich) einsehen müssen, dass hier die Bretter in Deutschland besonders dick sind und frau/man erstmal anfangen muss zu bohren.

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